Spendenaufruf für Unterstützung bei rassistischer Gewalt im eigenen Haus

Spendenlink: https://gofund.me/80393b40d

Was tun, wenn du in deinem eigenen Haus ständig Bedrohungen und Gewalt ausgesetzt bist und die Polizei nicht dafür da ist, dich zu schützen?

Yasmin* wird seit Jahren in ihrem eigenen Haus rassistisch bedroht und angegriffen. Die Polizei nimmt sie nicht ernst, die Wohnungsbaugesellschaft schaut weg. Für ihre Anwältin und einen Umzug braucht sie Geld und ist auf Spenden angewiesen.

Was ist passiert? 

Yasmin lebt seit einigen Jahren in einer Mietwohnung einer öffentlichen Wohnungsbaugesellschaft. Seit längerer Zeit erlebt sie dort Bedrohungen und Gewalt durch Nachbar*innen. Sie berichtet von Stalking durch eine Nachbarin. Diese lauert ihr vor der Tür auf und bedroht sie rassistisch und macht davon Videoaufnahmen. Ein anderer Nachbar bedroht sie ebenfalls, sperrte sie bereits aus dem Haus aus, und von dessen Bekannten wurde sie geschlagen.

Keine Hilfe von Polizei und Justiz

Wegen dieser Gewalt hat Yasmin oft die Polizei gerufen und Strafanzeigen gestellt. Anfangs in der Hoffnung, dass die Polizei hilft, die Gewalt zu beenden. Inzwischen nur noch aus Verzweiflung, weil sie schmerzlich erfahren musste, dass die Polizei nichts für sie tut. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft nehmen sie ernst. Bei Notrufen erscheinen die Beamt*innen teilweise gar nicht mehr. Sobald ihre Personalien abgerufen werden, ändert sich ihr Verhalten: Yasmins Name ist bekannt, aber sie weiß nicht, was in ihrer Akte steht. Ein Auskunft über die Akte wurde ihr bis jetzt nicht gewährt. Wir gehen davon aus, dass sie durch Markierungen wie „Vielmelderin” oder „Nachbarschaftsstreiterei” vorverurteilt wird. Ohne Einsicht gibt es für sie keine Möglichkeit, dagegen vorzugehen und sich zu entkriminalisieren.

Die Polizei unterstützt sie nicht, im Gegenteil: Sie stellt Yasmin als jemanden dar, der „übertreibe”, und wimmelt sie mit dem Hinweis auf einen „Nachbarschaftsstreit” ab, mit Ratschlägen wie „Ziehen Sie doch um”. Doch alle, die den Wohnungsmarkt in deutschen Großstädten kennen, wissen, was es bedeutet, eine bezahlbare Wohnung finden zu müssen. Vor allem für Menschen, die nicht weiß sind.

Dass Yasmin umziehen muss, ist ihr längst klar. Das hat sie der Wohnungsbaugesellschaft schon vor Jahren mitgeteilt. Doch diese entzieht sich der Verantwortung und bietet trotz jahrelanger Kenntnis der Situation keine Alternative zu rassistischer Bedrohung und Schikane. Eine andere Stelle, die diese Lage beenden könnte, gibt es nicht. Antidiskriminierungsstellen oder andere Beratungsstellen sind nicht in der Lage wirksame Maßnahmen zu ergreifen. 

Alles, was Yasmin bleibt, ist eine seit Jahren andauernde Auseinandersetzung mit Justiz- und Polizeibehörden. Dabei ist sie notgedrungen zur Expertin für Gesetze und Polizeiverfahren geworden. Zugang zu Gerechtigkeit hat ihr das bisher nicht verschafft. Die Gewalt, die sie als migrantisierte Frau im Haus erfährt, setzt sich dadurch nur weiter fort.

Kein Einzelfall, sondern ein Muster

Was Yasmin erlebt, ist kein Versagen einzelner Beamt*innen. Wer Gewalt meldet und nicht ins Bild des „glaubwürdigen Opfers” passt, wird selbst zum Problem gemacht. Aus der Betroffenen wird die „Vielmelderin”, aus rassistischer Bedrohung ein „Nachbarschaftsstreit”, aus dem Anspruch auf Schutz der lachhafte Ratschlag, doch einfach wegzuziehen. Die Verantwortung wandert von der Polizei zur Staatsanwaltschaft zur Wohnungsbaugesellschaft und landet am Ende wieder bei Yasmin.

Das ist keine Panne, die sich mit besserer Schulung beheben ließe. Polizei ist darauf ausgerichtet, Ordnung durchzusetzen, Eigentum zu schützen und Menschen zu kontrollieren. Nicht darauf, Konflikte zu lösen oder Sicherheit für alle Menschen zu schaffen. Für Menschen, die rassistisch markiert werden, heißt das oft: Sie gelten bei der Polizei als Risiko denn als schutzbedürftig. Aus unserer langjährigen Begleitung von Betroffenen rassistischer Polizeigewalt kennen wir dieses Muster: nicht ernst genommen werden, Täter-Opfer-Umkehr, Kriminalisierung der Betroffenen.

Was Yasmin gebraucht hätte, ist keine weitere Streife. Sie hätte gebraucht: eine Wohnungsbaugesellschaft, die handelt und ihr zügig eine sichere Wohnung anbietet. Eine Nachbarschaft, die Rassismus nicht hinnimmt. Anlaufstellen, die ihr glauben und echte Maßnahmen ergreifen können. Genau diese Strukturen fehlen. Deshalb sind sie nicht vom Staat zu erwarten, sondern müssen von uns aufgebaut werden: durch gegenseitige Unterstützung, Öffentlichkeit und Solidarität.

Warum Yasmin trotzdem juristisch vorgeht

Yasmin spürt eine tiefe Wut über die Untätigkeit von Polizei und Vermieterin. Mittlerweile hat sie eine Anwältin, in der Hoffnung, dass ihre Situation dadurch ernster genommen wird. Das ist kein Widerspruch zur Kritik an Polizei und Justiz: Solange es keine anderen Strukturen gibt, bleibt ihr nur, sich innerhalb dieses Systems zu wehren, auch wenn sie ihm nicht traut. Das kostet Geld, das sie nicht hat. Der Schritt, das Geschehene öffentlich zu machen, ist ihr nicht leicht gefallen. Sie geht ihn, weil sie keine andere Wahl sieht.
Deshalb sammeln wird Geld für Yasmins Anwaltskosten und, sobald eine neue Wohnung gefunden ist, für die Kosten des Umzugs.

Spendenlink: https://gofund.me/80393b40d

Was du noch tun kannst: Teile diesen Aufruf. Und wenn du von einer freien, bezahlbaren Wohnung hörst: Melde dich bei uns unter info@copwatchffm.org.

*Name geändert