15. März 2026 – Internationaler Tag gegen Polizeigewalt

—English below—

Staatliche Gewalt gegen die Bevölkerung, ob gegen Schwarze Menschen, Migrant*innen, Geflüchtete, Protestierende oder Menschen in psychischen Krisen, ist an so vielen Orten der Welt Normalität und sie bleibt fast immer ohne Konsequenzen. Laut Amnesty International werden jährlich ca. 19000 Menschen weltweit durch die Polizei getötet – die Dunkelziffer müsste jedoch weit höher liegen, weil diese Gewalt meist nicht genug dokumentiert wird.

Die Polizei wird uns so oft als Sicherheit verkauft oder dass sie notwendig wäre, um Kriminalität zu bekämpfen. Dabei ist sie vielmehr ein Mittel des Staats, um Unterdrückung und die herrschende Ordnung aufrechtzuerhalten, und dieser verübt dabei selbst kriminelle Gewalt: Proteste wie aktuell im Iran, in Kenia und Kamerun werden brutal niedergeschlagen, kurdische Personen vom syrischen Militär vertrieben und gefoltert, Migrant*innen in den USA oder Deutschland entführt und abgeschoben oder inhaftiert, BIPoC mit rassistischen Kontrollen schikaniert und Razzien enden tödlich – wie auch in Brasilien, wo im Jahr 2024 etwa 17 Menschen pro Tag durch die Polizei umgebracht wurden. 

Zum Internationalen Tag gegen Polizeigewalt veranstaltet copwatch ffm eine Podiumsdiskussion zu internationalen Perspektiven auf Polizeigewalt und staatlicher Repression. Eingeladen sind Menschen aus verschiedenen Communities, die von Kämpfen, Repressionen und Strategien gegen Polizeigewalt in verschiedenen Kontexten berichten – genaueres wird in den nächsten Tagen hier auf unserem Instagram-Kanal nach und nach bekannt gegeben. 

Nach der Podiumsdiskussion wird der Raum für einen Austausch geöffnet, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

 Die Veranstaltung findet auf Englisch statt – Flüsterübersetzung können wir nur gewährleisten, wenn wir vorher Bescheid wissen, also schreibt uns gerne eine PN (@copwatchffm) oder Mail (info@copwatchffm.org). 

Die Veranstaltung findet hybrid statt. Das heißt, ihr könnt auch digital via einem Zoom Meeting teilnehmen. Der Link wird auf Anfrage verschickt.

Sagt euren Freund*innen Bescheid.<3

Save the Date:

Wann? –>  Sonntag, 15. März 2026 ab 16 Uhr 

Wo? –> @2og_dondorf

Es wird vor Ort fingerfood und Getränke gegen Spende geben. 

Mehr Infos folgen.

March 15 – International Day Against Police Brutality

State violence against the population, whether against Black people, migrants, refugees, protesters, or people in mental health crises, is normal in so many places around the world and almost always goes unpunished. According to Amnesty International, approximately 19,000 people worldwide are killed by the police every year—but the actual number is likely to be much higher because this violence is usually not adequately documented. The police are often presented to us as synonymous with security or as necessary for fighting crime. In reality, however, it is a means for the state to maintain oppression and the prevailing order, and in doing so, it itself commits criminal violence: protests such as those currently taking place in Iran, Kenya, and Cameroon are brutally suppressed; Kurdish people are displaced and tortured by the Syrian military; migrants in the US or Germany are kidnapped and deported or imprisoned; BIPoC are harassed with racist checks, and raids end deadly – as in Brazil, where in 2024, about 17 people per day were killed by the police. 

On the International Day Against Police Brutality, copwatch ffm is hosting a panel discussion on international perspectives on police violence and state repression. People from various communities are invited to report on struggles, repression, and strategies against police violence in different contexts. More details will be announced on our Instagram channel over the next few days. 

After the panel discussion, the space will be open for an exchange to get into conversation with each other.

The event will be held in English—we can only guarantee whisper translation if we know in advance, so feel free to send us a private message (@copwatchffm) or email (info@copwatchffm.org).

And the event will also be hybrid. Which means you can attend digitally via a zoom link. The link will be provided upon request.

Tell your friends.<3

Save the Date:

When? –> Sunday, March 15, 2026, starting at 4 p.m.

Where? –> @2og_dondorf

Finger food and drinks will be available on site for a donation.

More information to follow.

Redebeitrag copwatch zur Urteilsverkündung gegen Roxanne am 07.12.2025

Ich spreche heute für copwatchffm, eine Gruppe, die aus der Initiative Christy Schwundeck hervorgegangen ist. Christy Schwundeck ist eine Schwarze Frau, die 2011 im Jobcenter Gallus von der Polizei erschossen wurde. Sie hat ihren Regelsatz nicht erhalten und hat daraufhin beim Jobcenter nach 10 € gefragt, die ihr verwehrt wurden. Sie weigert sich, ohne die 10 € zu gehen, die Polizei wird dazugezogen, eskaliert die Situation und am Ende ist Christy Schwundeck tot. Die Täterin wurde nie zur Rechenschaft gezogen. Christy Schwundeck wurde Opfer eines Staates, das dem Leben Schwarzer Menschen weniger Wert beimisst.

Wir sind heute hier, um genau das zu skandalisieren. Wir sind heute hier in Solidarität für Roxanne, auch sie ist eine Schwarze Frau, deren Leben für den Staat weniger wert ist. Sie wurde unter dem Vorwand, über einen Job zu sprechen, in einen Keller gelockt und dort mit einem Messer angegriffen. Nach einem Kampf um Leben und Tod konnte sie dem Täter das Messer abnehmen und wehrte sich. Nach dieser krassen Gewalterfahrung musste sie für 17 Monate in Untersuchungshaft – als Frau im Männergefängnis.
Nun ging ein dreimonatiger Prozess voller Schikane und Ernidrigung zu Ende, bei dem Roxanne als Angeklagte, als Täterin, als Lügnerin vorgeführt wurde.

Der ursprüngliche Vorwurf „Totschlag“ heißt: die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass sie ihren Angreifer vorsätzlich, also willentlich getötet habe.
Erinnern wir uns an Lorenz. Er wurde im April diesen Jahres in Oldenburg von Polizisten in den Rücken geschossen.
Hier wird behauptet, der Polizist habe aus Notwehr gehandelt.
Während Lorenz vor ihm weggelaufen ist, soll der Bulle ihn aus Notwehr erschossen haben?
Das war keine Notwehr! Immer wieder müssen wir in unserer Arbeit der Begleitung Betroffener rassistischer Polizeigewalt erleben, wie sich Menschen aufgrund eigener Gewalterfahrungen vor Gericht verantworten. Opfer werden zu Täter*innen konstruiert. So auch bei Roxanne!
Der Grundsatz „Im Zweifel für die Angeklagte“ ist eine Farce, wenn institutionalisierter Rassismus, Sexismus und Transfeindlichkeit Zweifel an der Glaubwürdigkeit Schwarzer trans Personen streut!

Das sogenannte Rechtssystem ist nicht neutral, genauso wenig wie es die Polizei ist. Sie sind beide Instrumente der Gewalt, die im Dienst eines Staates stehen, der auf Rassismus, Kolonialismus, Patriarchat und kapitalistischer Ausbeutung basiert.

Die rassistische, sexistische und transfeindliche Logik vor Gericht wird in Roxannes Fall deutlich spürbar:
Diskriminierende Denkmuster von Richter und Staatsanwalt werden auf Roxanne projiziert. Ihr wir systematisch nicht geglaubt. In ihrer Logik seien Schwarze trans Frauen im Bahnhofsviertel nur zu Sexarbeit fähig – das aber zu bestreiten stellt die gesamte Glaubwürdigkeit in Frage. Immer wieder wird sie als Täterin oder Lügnerin dargestellt, immer wieder wird ihr ihre Wahrnehmung abgesprochen. Das Frau-Sein wird ihr aberkannt, indem sie konstant misgendert wird. Und als Schwarze Person im Knast zu sein – das haben wir bei Nelson gesehen – ist lebensgefährlich. Als Schwarze trans Frau im Männerknast zu sein, fügt eine weitere lebensgefährliche Komponente dazu.

In der Verbindung von Rassismus und Transfeindlichkeit verstärkt sich die Repression von Staat und Polizei. Eine Studie in den USA fand heraus, dass 47 % aller Schwarzen trans Personen schon einmal inhaftiert waren.

Das liegt nicht daran, dass Schwarze trans* Personen krimineller sind, sondern daran, dass die Polizei sie wesentlich häufiger kriminalisiert, kontrolliert und schikaniert.
Es geht um die Angst auf der Straße, die Betroffene erleben, um die Unsicherheit in psychischen Krisen, die selbst Produkt dieses rassistischen und queerfeindlichen Systems sind. Die emotionale und finanzielle Erschöpfung, die aufgrund von Prozessen erlitten wird, wenn sich gegen die Schikane der Polizei gewehrt wird. Es geht um die körperlichen Wunden durch Kontrollen, Knüppel und Festnahmen; über seelische Narben, die viele unserer Geschwister und und unsere Communities tragen – weltweit. Es geht um die Angst, die betroffene trans Personen haben müssen, nicht nur im Knast zu sitzen, sondern wie Roxanne als Frau im Männergefängnis sitzen zu müssen.

Dabei sind Knäste keine Orte der Resozialisierung, sie sind Orte der Isolation, Gewalt und Zerstörung. Fartoun Ali Haroun starb letztes Jahr in der JVA in Frankfurt an einer Lungenembolie. Das wollte aber niemand erkannt haben. Ihr Leiden wurde als hysterisch und/oder aufgrund ihrer psychischen Erkrankung abgetan.
Sie hätte nicht sterben müssen, hätte man sie nicht entmenschlicht, eingesperrt und ihr medizinische Versorgung verweigert.

Roxanne wurde heute freigesprochen, sie muss nicht mehr im Knast sitzen. Allerdings soll sie in einer psychiatrischen Zwangsmaßnahme untergebracht werden. Sie habe eine Persönlichkeitsstörung und soll sich die Gefahrensituation aufgrund traumatischer Erfahrungen eingebildet haben. Wir sehen wieder: dieses System pathologisiert und entmenschlicht insbesondere Schwarze trans Frauen. Das Wegsperren von Menschen, ob in Kliniken oder in Knästen, bringt keine Sicherheit!

Auch die Polizei ist keine Sicherheit, nicht das Bestrafen, das Wegsperren oder Abschieben bestimmter Menschen. Was wir brauchen sind transformative Alternativen ohne Polizei und Gefängnisse, Lager und Grenzen! Sicherheit entsteht durch Solidarität, durch bezahlbaren Wohnraum, gegenseitige Fürsorge, mehr und zugänglichere Mental Health Angebote und Community.

Wir werden den Rassismus der deutschen Polizei und der Justizbehörden nicht hinnehmen und weiter gegen ihre Gewalt kämpfen! Lasst uns gemeinsam den rassistischen, ableistische und queerfeindlichen Normalzustand bekämpfen, Polizei und Gerichte kritisch beobachten und solidarisch sein mit den Betroffenen solcher Gewalt.

We look out for each other!